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Börse Frankfurt

DAX-Sentiment: Hoher Optimismus in schwachem Umfeld

Stimmungsindikator zum DAX

Der DAX hat während der vergangenen Tage nicht nur über 4 Prozent an Wert verloren, sondern praktisch auch noch den Rest seines ganzen Jahresgewinns abgegeben. Gleichzeitig stieg der Optimismus auf ein neues Jahreshoch – eine deutliche Bias tritt zutage.

6. Juni 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vordergründig scheint sich die Lage am Aktienmarkt während der vergangenen Handelstage deutlich verschlechtert zu haben. Denn abgesehen von den mehr oder weniger stark aufflammenden Problemen der Eurozone ist spätestens seit vergangenem Freitag den meisten Ökonomen klar, dass das globale Wachstum offensichtlich starke Probleme hat, auf die Füße zu kommen. Dafür sprachen vor allen Dingen die ungünstigen Einkaufsmanagerindizes aus China und den USA bzw. die Entwicklung der dortigen Arbeitsmarkdaten, die die positive Entwicklung der Vormonate wieder relativierte. Dennoch ist der Optimismus der von der Börse Frankfurt wöchentlich befragten institutionellen Akteure, gemessen an unserem Bull/Bear-Index, auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen, während der DAX gleichzeitig mit einem Wochenverlust von über vier Prozent seinen tiefsten Schlusskurs im Jahr 2012 markierte.

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Kaum Reaktion trotz Kursverfall

Bei genauer Analyse der unterschiedlichen Investorenwanderungen zeigt sich, dass der hohe Optimismus sowohl auf frühere Pessimisten zurückzuführen ist, die angesichts des starken Kursverfalls ihre Gewinne realisiert haben. Aber auch Marktteilnehmer, die bislang an der Seitenlinie verweilten, haben offenbar bei den fallenden Kursen zugegriffen – das Lager der neutral gestimmten Akteure hat sich praktisch auf den niedrigsten Stand des Jahres geleert und so zu einer hohen Polarisierung der Meinungen geführt. Während die jüngsten Veränderungen im Sentiment relativ leicht erklärbar sind, stellt sich natürlich die Frage, warum sich diejenigen Optimisten, deren Anteil im Panel bereits in der Vorwoche recht hoch war, kaum geregt haben. Denn in den vergangenen Monaten war immer wieder zu beobachten, dass die mittelfristig orientierten Investoren bei Kursverlusten relativ schnell reagiert und, wenn nötig, die Bremse gezogen haben. Nicht so dieses Mal.

Widerstandsfähiger DAX am Ultimo sorgt für Verwirrung

Eine Erklärung hierfür könnte im so genannten Monatsend-Effekt liegen, der in anderen Märkten zu beobachten war. So waren zum Mai-Ultimo die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen auf ein neues Tief gefallen und auch der Euro zeigte sich von seiner schwachen Seite. Als ob die Marktteilnehmer in letzter Minute noch ihre Positionen geglättet hätten, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, große Trends verpasst zu haben. Allein der DAX blieb an diesem Tag erstaunlich widerstandsfähig und hatte sich gerade auf den Weg gemacht zu konsolidieren. Umso größer muss dann die Überraschung am vergangenen Freitag (bereits vor der Veröffentlichung der Arbeitsmarkdaten aus den USA) für manchen Optimisten gewesen sein, als das Börsenbarometer doch noch deutlich an Boden verlor. Mit anderen Worten: Der Kurssturz ist für viele zunächst zu spät gekommen und dann zu schnell verlaufen.

Damit ist beim DAX eine so genannte Bias entstanden, weil die massive positive Stimmungsentwicklung der tatsächlichen Kursentwicklung entgegensteht – eine deutliche Belastung für die deutschen Standardwerte. Denn bei steigenden Kursen ist zwangsläufig mit Angebot der bullishen Akteure zu rechnen, das erst jenseits von ca. 6.300 DAX Zählern weitgehend aus dem Weg geräumt sein könnte.

© 6. Juni 2012/Joachim Goldberg, cognitrend

Verhältnis Optimisten zu Pessimisten


 BullishBearishNeutral
Total 62 % 26 % 12 %
ggü. letzter Erhebung +14 % -8 % -6 %

DAX-Stimmungskurve


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Stand DAX 06.06.2012, 12:00 Uhr: 6.040 Punkte (+4,58 % gegenüber der letzten Erhebung), Bull/Bear- Index: 70,0 Punkte

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