DAX-Sentiment: Schieflagen stehen dem DAX nicht mehr im Weg
Stimmungsindikator zum DAX
20. Juni 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Banken- und Fiskalunion, gemeinsamer Einlagensicherungsfonds, koordinierte Bankenaufsicht – beim G20-Gipfel klang es, als wäre das alles längst ausgemachte Sache. Alle Nationen unterstützen die Bemühungen der Eurozone, hieß es, doch deswegen sind die Hürden für all diese Neuerungen, die als Schlüssel in der Euroland-Krise angesehen werden, kein bisschen kleiner geworden. Nach wie vor bleibt die Politik in einer Schockstarre gefangen, während die angeschlagenen Euroländer weiterhin dem Misstrauen der Märkte ausgesetzt sind. Bislang haben sich die internationalen Investoren noch nicht überzeugen lassen, dass sich nach dem glimpflichen Wahlausgang in Griechenland ein Austritt der Hellenen aus der Eurozone verhindern lässt. Und Spanien muss trotz (oder gerade wegen) des Bankenrettungspakets seinen Anleihegläubigern weiterhin horrende Zinsen bieten.
Notenbanker zieren sich noch – Sentiment-Barometer rutscht ab
Bleibt noch die Hoffnung auf weitere Liquiditätsspritzen der Notenbanken: Die Weichen dafür sind zwar längst gestellt, doch noch zieren sich die Zentralbanker rund um den Globus, weil sie sich nicht sicher sind, ob sie damit das Wachstum noch ausreichend ankurbeln können. Angesichts dieser abwartenden Haltung von Notenbankern und Politikern ist es kein Wunder, dass sich die Laune der mittelfristig orientierten Anleger, die die Börse Frankfurt wöchentlich befragt, weiter eingetrübt hat. Es gibt schließlich immer ausreichend Argumente, europäische, und auch deutsche, Aktien zu verkaufen. 8 Prozent der Befragten flüchten in dieser Woche aus dem Bullenlager, während das Pessimisten-Camp einen Zulauf von 11 Prozent verbuchen kann. Damit gleitet unser Sentiment-Barometer, der Bull/Bear-Index, deutlich in Richtung der markanten 50-Prozent-Schwelle ab.
Schieflagen nahezu abgebaut
Bei den Befragten unseres Stimmungspanels spielte die nach wie vor schwierige Situation der Eurozone vermutlich nicht einmal die Hauptrolle in ihrer Entscheidung, dem DAX den Rücken zu kehren. Für die ehemaligen Bullen war die Kursentwicklung des heimischen Leitindex selbst schon Grund genug für ihre Verkäufe. Die erneuten Kursgewinne – auf Wochenbasis rund 3 Prozent – haben noch einmal vielen gestrandeten Alt-Bullen die Chance zum glimpflichen Ausstieg gegeben, die sie dankbar ergriffen haben. Fast alle bullishen Schieflagen, die sich seit Ende Mai angesammelt haben, dürften damit abgebaut sein und dem DAX nicht länger im Wege stehen.
Bären sorgen für Erholungspotenzial
Interessant: Schon in der letzten Woche war immer wieder davon die Rede, wie kurz die Halbwertszeit guter Nachrichten dieser Tage doch ist. Die Erleichterung über das spanische Bankenrettungspaket etwa hielt nicht sonderlich lange an (siehe Sentiment-Bericht vom 13. Juni); der DAX war noch am selben Tag wieder vorrübergehend auf Tauchstation gegangen. Da war es den Marktteilnehmern ein Leichtes, auch am Montag dieser Woche wieder nach guten Nachrichten – diesmal aufgrund des positiven Ausgangs der griechischen Wahlen – deutsche Aktien zu verkaufen und sich auf die Bären-Seite zu schlagen. Denn sie witterten dasselbe Handelsmuster, dasselbe Schema, wie schon in der Vorwoche. Doch schon seit gestern liegen die Engagements der neuen Bären unter Wasser, was dem DAX das Potenzial für eine kleine Erholungsrally gibt. Für die ganz großen Sprünge bräuchte der heimische Leitindex aber schon ein wenig Vertrauen und Unterstützung aus dem Ausland.
© 20. Juni 2012/Christin Stock, cognitrend
Verhältnis Optimisten zu Pessimisten
| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 46 % | 34 % | 20 % |
| ggü. letzter Erhebung | -8 % | +11 % | -3 % |
DAX-Stimmungskurve

Stand DAX 20.06.2012, 12:00 Uhr: 6.370 Punkte (+2,98 % gegenüber der letzten Erhebung), Bull/Bear- Index: 56,7 Punkte


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