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Börse Frankfurt

Wochenausblick: Lieber mit allem rechnen

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Auch wenn der deutsche Aktienmarkt in der vergangenen Woche wieder etwas an Boden gut machen konnte – die Lage vor den Wahlen in Athen bleibt extrem angespannt.

28. Mai 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die jüngsten Umfragen in Griechenland deuten zwar an, dass die Mehrheit der Hellenen keinen Grexit, also Austritt aus der Eurozone, wünscht. Bis zu den Wahlen am 17. Juni wird die Nervosität an den Märkten aber wohl fortbestehen. Dafür sorgten zuletzt auch Meldungen über Notfallpläne der EU-Länder für ein mögliches Ausscheiden der Hellenen aus dem Euro oder auch die deutlichen Worte der IWF-Chefin Christine Lagarde. Die hatte in der vergangenen Woche geäußert, die Griechen sollten sich selbst helfen, indem sie Steuern zahlten. Andere Länder, etwa Niger, seien mehr auf Unterstützung angewiesen.  

Nach einem Plus von 1,1 Prozent in der Vorwoche liegt der DAX am Pfingstmontag bei 6.4.09 Punkten gut 1 Prozent im Plus. Der Euro, der am Freitag zeitweise unter 1,25 US-Dollar und damit den tiefsten Stand sei zwei Jahren gefallen war, zeigt sich etwas stabilerer und notiert heute Morgen bei 1,2601 US-Dollar.

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Politik als Zünglein an der Waage

„Wohl und Wehe des DAX hängen an der Lösungsfähigkeit der Euro-Politik“, kommentiert Robert Halver von der Baader Bank. Allerdings weigerten sich Politiker derzeit, beim „griechischen Patienten sowie bei der finanz- und wirtschaftspolitischen Neuausrichtung der Eurozone Farbe zu bekennen“, wie der jüngste Eurogipfel zeige. Das wolle man vor den griechischen und französischen Parlamentswahlen Mitte Juni auch gar nicht. „Diese Unklarheit ist sicherlich nicht der Stoff, aus dem die Träume für die europäischen Aktien- und Rentenmärkte gemacht sind.“

Niedrige Bewertungen als Pluspunkt

Markus Reinwand von der Helaba sieht mittelfristig durchaus Raum für positive Überraschungen am Aktienmarkt. Zwar sei die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion inzwischen wieder ähnlich ausgeprägt wie im Herbst vergangenen Jahres. „Die aus Wettquoten abgeleitete Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Euromitglied ausscheidet, beträgt derzeit knapp 70 Prozent.“ Die niedrige Bewertung spreche aber für Aktien, auch wenn es aufgrund der Unsicherheit keinen Schutz vor fallenden Notierungen gebe. „Allerdings hat die Historie gezeigt, dass gerade solche Ausverkaufssituationen interessante Einstiegsgelegenheiten für mittelfristig orientierte Anleger bieten.“

Trübes charttechnisches Bild

Technisch bleibt der DAX angeschlagen, wie Christian Schmidt von der Helaba erklärt: „Grundsätzlich ist festzustellen, dass der laufende Abwärtstrend ausgeprägt ist und damit eine hohe Wahrscheinlichkeit aufweist, fortgesetzt zu werden.“ Lediglich ein Ausbruch über die 6.520er-Marke mildere das negative Szenario ab, dies zeichne sich derzeit aber nicht ab. „Vielmehr droht eine deutliche Beschleunigung der Abwärtsbewegung, sofern die Marke von 6.217 Zählern unterschritten wird.“ Knapp darunter liege die wichtige 200-Tage- Linie.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Montag, 28. Mai

Pfingstmontag. An der Börse Frankfurt wird regulär gehandelt. In den USA bleiben hingegen wegen Memorial Day die Märkte geschlossen.

Dienstag, 29. Mai

14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise Mai. Aufgrund des Benzinpreisrückgangs und saisonaler Preissenkungen erwartet die DekaBank im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent niedrigere Preise. Auf Jahressicht ergäbe sich damit eine Preissteigerung von 1,9 Prozent.

16.00 Uhr. USA: Verbrauchervertrauen Conference Board Mai. Umfragen zufolge prognostizieren Analysten im Schnitt 69,8 Punkte, im April waren es 69,2. Für den monatlichen Bericht wird das Vertrauen gemessen, das einzelne Haushalte in die Leistung der Wirtschaft haben.

Donnerstag, 31. Mai

11.00 Uhr. EU: Verbraucherpreise Mai. Laut DekaBank geht die Inflation seit Ende 2011 langsam zurück, vor allem aufgrund weniger stark steigender Energiepreise. Im Mai seien die Preise von Energiegütern im Vergleich zum Vormonat sogar gesunken, daher werde die Inflationsrate auf 2,5 Prozent fallen.

15.45 Uhr. USA: Einkaufsmanagerindex Chicago Mai. Die Commerzbank rechnet mit 57 Punkten, das wäre ein kleines Plus nach 56,2 Punkten im April. Der Index beruht auf einer Befragung von mehr als 200 Einkaufsmanagern des verarbeitenden Gewerbes. Ein Wert über 50 Punkte bedeutet eine wachsende, ein Wert unter 50 eine schrumpfende Wirtschaft.

Freitag, 1. Juni

3.00 Uhr. China: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Mai. In China wird der weiter im expansiven Bereich tendierende Einkaufsmanagerindex auf eine anhaltend brummende Wirtschaft hinweisen, meint Robert Halver von der Baader Bank.

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenquote Mai. Der US-Arbeitsmarkt befindet sich laut DekaBank weiterhin auf Wachstumskurs: Nach einem etwas schwächeren Beschäftigungsaufbau im Vormonat sei im Mai wahrscheinlich ein stärkerer Nettozuwachs von 160.000 Stellen erzielt worden. Allerdings rechnen die Analysten noch mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote: In einem verbesserten Umfeld meldeten sich immer mehr Jobsuchende am Arbeitsmarkt zurück.

14.30 Uhr. USA: Persönliche Einkommen/Ausgaben April. Die Analysten der Commerzbank erwarten einen Zuwachs von 0,3 Prozent bei den persönlichen Einkommen sowie 0,2 Prozent bei den Ausgaben. Das wäre etwas weniger als im Vormonat, als 0,4 beziehungsweise 0,3 Prozent erreicht wurden.

16.00 Uhr. USA: ISM-Index Verarbeitendes Gewerbe Mai. Der Index sollte laut DekaBank im Mai auf 53 Punkte sinken, bleibe damit aber in einem Bereich, der ein moderates, in der Tendenz stärker werdendes Wachstum signalisiere. Der Indikator zeigt die Geschäftserwartungen der Industrie auf einer Skala von eins bis 100. Werte über 50 deuten auf eine Ausweitung, Werte darunter auf eine Abschwächung der Konjunktur.

 Weitere Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf boerse-frankfurt.de/termine. Möchten Sie den Wochenausblick kostenlos per E-Mail erhalten, dann melden Sie sich an auf boerse-frankfurt.de/newsletter.

 © 28. Mai 2012/Anna-Maria Borse

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