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Börse Frankfurt

ANALYSE: Volatilität als Risikomaß rutscht auf neues Jahrestief - Börsianer

20.08.2012 15:24

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    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Risikoscheu der Investoren am deutschen
Aktienmarkt ist derzeit so niedrig wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Der
neue Volatilitätsindex der Deutschen Börse - der VDax-New  - ist zum
Wochenende bei 17,90 Punkten auf den tiefsten Schlusskurs seit Anfang Juli 2011
gefallen. Damit signalisiert der VDax-New geringe Nervosität. An den
Terminmärkten wird eine Schwankungsbreite von 361 Punkten nach oben und unten
auf Sicht der kommenden 30 Tage eingepreist. Zum Vergleich lag die erwartete
Dax-Schwankung für 30 Tage Anfang Oktober 2011 bei einem VDax-New von 50,74 noch
bei plus minus 759 Punkten.

    Auch weltweit bewegt sich die Risikoscheu auf historisch niedrigem Niveau.
Das zeigt der US-Volatilitätsindex VIX, der die erwartete Schwankungsbreite des
marktbreiten US-Index S&P 500  nachzeichnet. Der Index steht so tief
wie seit fünf Jahren nicht. "Dem 'Angstbarometer' VIX zufolge fühlen sich die
Märkte derzeit furchtlos", erklärte Marktkommentator Mike Ingram von BGC Brokers
in London. Das Risikomaß sei in den USA damit wieder auf dem Niveau vor der
Kreditklemme gesunken, die die Weltwirtschaft und die Märkte dann in ihre Klauen
genommen hat. Die Märkte bewegten sich derzeit im "Risk On"-Modus, erklärte
Ingram. Das zeige die deutliche Erholung der wichtigsten Aktienindizes, die
beispielsweise in den USA zum Teil in Schlagweite zu ihren Rekordhochs stünden.
Aber auch in die Kreditmärkte seien mit dem Blick auf Staats- und
Unternehmensanleihen mehr Risiko eingepreist worden. Gold, das traditionell als
sicherer Hafen gilt, habe dagegen eine schwierigere Phase.

    Somit erscheine die aktuelle Entwicklung sehr positiv und sie unterstreiche
die Signale des VIX-Index. Es gebe aber auch eine Kehrseite der Medaille, warnte
der Marktkommentator von BGC. Während der jüngsten Erholungsphase an den
Aktienmärkten sei Kapital abgeflossen und das obwohl viele Anleihemärkte keine
klare Alternativen zum Aktieninvestment böten. Die optimistischen
Gewinnerwartungen stünden angesichts des pessimistischen Ausblicks für das
globale Wachstum auf tönernen Füßen. Die Sparprogramme, die zur Sicherstellung
des Gewinnwachstums durchgesetzt würden, ließen sich indes nicht unbegrenzt
fortsetzen. Sie gingen zudem immer stärker zu Lasten der Arbeitnehmer, die dann
wiederum weniger Geld zum Konsumieren hätten. Ingram sagte: "Das ist eher wie
das Schlachten der Gans, die goldene Eier legt."

    Ob die Volatilität auf einem neuen Tief aktuell ein Zeichen des Vertrauens
in die Märkte oder ein Indiz für Nachlässigkeit sei, das lässt sich dem Experten
Ingram zufolge derzeit schwer beantworten. Häufig werde die niedrige
Schwankungserwartung als "Bernanke Put" angesehen. Sollte es zu Turbulenzen
kommen, rechnen Investoren mit einem Einspringen der Notenbanken - das Risiko an
den Börsen wirke begrenzt. Aus Ingrams Sicht ist die niedrige Volatilität aber
vor allem ein Zeichen der Konfusion und Inaktivität. Die Investoren bewegten
sich noch in einer Schockstarre nach den Ereignissen in den vergangenen vier
Jahren. Sie scheuten größere Anlagen. Das gelte insbesondere in der aktuellen
Zeit politischer Börsen. Diese Zurückhaltung zeige sich in den nur relativ
geringen Umsätzen an den Märkten. Dabei gehe noch ein großer Anteil der
Aktivität auf das Konto der Hochfrequenzhändler. Aus dieser Sicht könnte die
niedrige Volatilität die Anleger in den aktuell komatösen Märkten in die Irre
führen, meinte Ingram. Die Märkte könnten von ihrem aktuellen Niveau steigen
oder fallen - der VIX liefere hierfür aktuell keine Signale./fat/la


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