Bitte warten...
Börse Frankfurt

ROUNDUP: Commerzbank mit Gewinnzuwachs - Ukraine-Tochter verkauft

30.07.2012 21:29

Anzeige

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank  hat im zweiten Quartal einen
weiteren Gewinneinbruch verhindert. Nachdem das Institut vor einem Jahr aufgrund
hoher Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen operativ nur noch 51
Millionen Euro verdient hatte, rechnet es nun mit einem Gewinn von 450 Millionen
Euro. Das teilte die zweitgrößte deutsche Bank am Montagabend in Frankfurt mit.
Im gesamten ersten Halbjahr verdiente sie nach vorläufigen Berechnungen rund
eine Milliarde Euro (Vorjahr: 1,2 Mrd). Die genauen Zahlen legt das Geldhaus am
9. August vor.

    Beim Vorsteuerergebnis rechnet die Bank in den ersten sechs Monaten mit
einem Gewinn von rund 900 Millionen Euro (Vorjahr: 1,2 Mrd Euro), davon rund 350
Millionen Euro im zweiten Quartal 2012. Dabei belastet eine Abschreibung von 86
Millionen Euro auf die ukrainische Tochter Bank Forum. Die Commerzbank fand mit
der ukrainische Smart Group - eine Beteiligungsgesellschaft - einen Käufer. Über
die vertraglichen Details vereinbarten beide Seiten zwar Stillschweigen.
Allerdings liegt der Verkaufspreis unter dem bisherigen Buchwert, weshalb es nun
zur Wertminderung in der Bilanz kommt. 

BANK FORUM WAR EINE FEHLINVESTITION 

    Zudem werden weitere 200 Millionen Euro Belastung anfallen, wenn das
Geschäft abgeschlossen ist. Das liegt an Währungseffekten. Die Commerzbank hatte
während ihres Engagements Rücklagen in der ukrainischen Währung bilden müssen.
Da die Griwna in dieser Zeit gegenüber dem Euro an Wert verlor, muss die
Commerzbank diese Differenz abschreiben. Dies wird aber laut Bank nicht mehr das
Eigenkapital belasten. Die Transaktion muss noch von den Aufsichtsbehörden
genehmigt werden.

    Die Commerzbank hatte im Frühjahr 2008 den Mehrheitsanteil an der Bank Forum
übernommen. Seitdem enttäuschte das Institut auf der ganzen Linie. Eine
Besserung hält die Commerzbank auf absehbare Zeit kaum für möglich, weshalb sie
sich nun von der Tochter trennt. Schon im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank
die Kreditvergabe außerhalb von Deutschland und Polen gestoppt, um ihr Kapital
zu schonen. 

COMMERZBANK ÜBERPRÜFT STRATEGIE

    Der Verkauf ist Teil der laufenden Überprüfung der Konzernstrategie. Die
seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank hatte erst vor einem Monat
angekündigt, das Geschäft ihrer Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter
Eurohypo ebenso abzuwickeln wie die Schiffsfinanzierung.

    Der Verkauf hat laut Commerzbank keine wesentlichen Auswirkungen auf das
Kernkapital. Die negativen Effekte glichen sich fast mit den positiven durch den
Abbau von Risikopositionen aus. Die harte Kernkapitalquote lag Ende März bei
11,3 Prozent. Für Ende Juni 2012 rechnet die Commerzbank mit einer Steigerung
auf 12 Prozent. Auf Basis der ab dem kommenden Jahr geltenden strengeren
Kapitalregeln (Basel III) erwartet die Commerzbank zum Jahreswechsel weiter eine
Quote von mindestens 10 Prozent. 

KAPITAL HAT PRIORITÄT

    Vorstandschef Martin Blessing hatte der Stärkung des Kapitals zuletzt
absolute Priorität eingeräumt - auch auf Kosten des Gewinns. Die Commerzbank
hatte auf Geheiß der europäischen Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni eine Lücke
von über 5 Milliarden Euro zu füllen. Das Ziel übertraf das Institut.

    Ganz verabschiedet sich die Commerzbank mit dem Verkauf aber nicht aus der
Ukraine. Für ihre Firmenkunden bleibt sie mit einer Repräsentanz in der
Hauptstadt Kiew vertreten./enl/he


Anzeige