Swap-ETFs – Dividenden steuerfrei einstreichen
29. Juli 2008. Flexibel, preiswert und einfach – das sind Eigenschaften, die ETFs auszeichnen. Ein weiterer Vorteil kann sich aus der steuerlichen Behandlung ergeben. Das trifft insbesondere auf ETFs zu, bei denen die Indexreplikation über Swaps erfolgt. Solche Konstruktionen helfen nicht nur, Kosten zu sparen, sondern bieten auch die Möglichkeit, die Versteuerung von Dividenden zu umgehen.
Zwei Wege führen zum Ziel
Hintergrund ist, dass ein Index auf zwei Wegen abgebildet werden kann. Bei der „traditionellen“ Variante werden die ETFs exakt dem Index nachgebaut. Jede einzelne Aktie des Index wird mit ihrem entsprechenden Gewicht am Markt gekauft und zum ETF zusammengefasst. Diese Vorgehensweise wird auch als Direktabbildung oder Full Replication bezeichnet. Neben der Direktabbildung haben sich in den vergangenen Monaten Swap-basierte ETFs etabliert. Hierbei wird die Performance des unterliegenden Index von einem Swap-Partner garantiert. Dieser „tauscht“ die Performance des Index gegen die Performance eines Portfolios, das mit dem Mittelzufluss aufgebaut wird.
Keine Steuer auf Dividenden
Obwohl diese Vorgehensweise auf den ersten Blick kompliziert
erscheinen mag, ergeben sich für den Anleger daraus mehrere
Vorteile. Da der Swap-Partner die Gesamtperformance garantiert,
fließen die Dividenden in Form von Kursgewinnen aus
Finanztermingeschäften zu. Solche Kursgewinne fallen bei einem Kauf
bis zum Stichtag Ende 2008 nicht unter die Abgeltungssteuer
(Stichwort: Bestandsschutz), eine einjährige Haltedauer
vorausgesetzt. De facto bleibt damit auch der Dividendenanteil im
Swap-Ertrag steuerfrei. Wer die Bestandsschutzregelung nutzt und
einen thesaurierenden Swap-ETF auf einen Performance-Index
(Dividenden werden reinvestiert) noch in diesem Jahr kauft, kann
den Fonds auch in ferner Zukunft gänzlich steuerfrei
veräußern.
Wer nach 2009 kauft, muss die im Swap einberechneten Dividenden
nicht jedes Jahr versteuern, sondern erst, wenn er den ETF
veräußert. Der Anleger kommt in den Genuss eines Steueraufschubs.
Swap-ETFs sind günstiger
Darüber hinaus ergeben sich Kostenvorteile: So fallen beispielsweise beim Erwerb von englischen oder irischen Aktien obligatorisch so genannte Stamp Dutys in Höhe von 1,0 bzw. 0,5 Prozent an. In Griechenland wiederum sind keine Aktien-OTC-Geschäfte möglich, so dass sämtliche Transaktionen über die Börse ablaufen müssen. Diese bei der direkten Abbildung des Index anfallenden Zusatzkosten trägt allein der Market Maker, der diese Belastungen wiederum an den Endkunden in Form eines erhöhten Spreads weitergibt. Bei einem Swap-Geschäft bleiben derartige indexfremde Gebühren außen vor, womit die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs (Spread) verringert werden kann. Auch die bei den regelmäßigen Indexanpassungen anfallenden Transaktionskosten können mit einem Swap-Geschäft umgangen werden. Die Sicherstellung der Zahlungsströme wird in diesem Fall vom Partner der Swap-Vereinbarung übernommen. Die so eingesparten Aufwendungen können sich dann in einer Verringerung der Managementgebühr widerspiegeln.
Der Preis ist ein höheres Risiko
Die Swap-Variante ist für den Anleger etwas rentabler, dafür ist
sie allerdings auch leicht risikoreicher. Bei der Direktabbildung
ist das gesamte Kapital als Sondervermögen investiert. Es gibt kein
Emittentenrisiko. Bei Swap-Konstruktion besteht dagegen die Gefahr,
dass der Swap-Partner Schiffbruch erleidet, also die aus dem
Swap-Geschäft versprochene Performance nicht liefern kann. Jedoch
ist diese Gefahr überschaubar, da der Gegenwert des Swaps nicht
mehr als zehn Prozent des Fondsvermögens betragen darf. Der
ETF-Anbieter muss also laufend die Erträge aus dem Swap realisieren
und dann neue Kontrakte abschließen. Auf diese Weise liegt das
Ausfallrisiko bei den meisten Produkten lediglich zwischen zwei und
fünf Prozent.
© 29. Juli / EXtra-Funds.
*Der Beitrag ist EXtra-Funds entnommen, einem unabhgängigen Magazin
für ETFs. Die Juli-Ausgabe können Sie als PDF herunterladen. Das
Magazin erscheint monatlich, ist kostenlos und kann auf der Seite
www.extra-funds.de abonniert werden.
