REITs - eine eigene Asset-Klasse für die Immobilienanlage
Anlageformen
Was sind REITs?
Hinter dem Buchstabenkürzel REITs –Real Estate Investment Trusts –
verbirgt sich eine für deutsche Investoren neue Anlageklasse:
börsennotierte, in der Immobilienbranche tätige
Aktiengesellschaften. Die vorherrschenden Geschäftszwecke dieser
Unternehmen können Erwerb und Veräußerung, Vermietung oder
Verpachtung, Verwaltung oder reine Finanzierung von Immobilien
sein.
Doch allein das macht ein Immobilienunternehmen noch nicht zu einem
REIT. Das Außergewöhnliche an dieser Anlagegattung sind die
steuerlichen und anlagebedingten Besonderheiten. So unterliegen
REITs besonderen steuerlichen Vergünstigungen, abhängig von der
Steuergesetzgebung des jeweiligen Heimatlandes der
REIT-Aktiengesellschaft. Im Gegenzug müssen die Unternehmen dafür
einige staatliche Auflagen erfüllen. Die für Anleger zunächst
wichtigste: Der überwiegende Teil der Erträge muss an die Aktionäre
ausgeschüttet werden. Die genaue Mindestausschüttungsquote ist von
Land zu Land unterschiedlich. In den USA beispielsweise liegt sie
bei 90 Prozent.
Einige Mindestausschüttungsquoten:
- USA: 90%
- Australien: 100%
- Japan: 90%
- Belgien: 80% aus Vermietung und 50% aus Veräußerung
- Frankreich: 85% aus Vermietung und 50% aus Veräußerung.
Es gibt drei unterschiedliche Typen von REITs, je nach
Geschäftstätigkeit der Unternehmen. REITs, die Immobilien besitzen
und/oder vertreiben werden im anglosächsischen Raum Equity-REITs
genannt. Diese Unternehmen ziehen ihre Erträge fast ausschließlich
aus der Vermietung und Verpachtung von Immobilien. Die zweite
Gruppe befasst sich dagegen mit der Finanzierung. Diese Unternehmen
legen nicht direkt in Immobilien an, sondern vergeben Darlehen an
Immobilienprojekte oder investieren in besicherte Hypotheken.
Hybrid-REITs sind eine Mischung der beiden
Tätigkeitsbereiche.
REITs lassen sich auch nach den Sektoren unterscheiden. Es gibt
diese Anlageform mittlerweile weltweit in 19 Ländern, u.a. in den
USA, Kanada, Japan, Frankreich und Belgien. In Großbritannien steht
wie in Deutschland die Einführung kurz bevor. In ihrer
grundsätzlichen Form sind die REITs einander ähnlich. Sie
unterscheiden sich zum Beispiel in der Höhe der Ausschüttung, in
der Mindestanforderung der Investitionen in Immobilienbesitz und
sind natürlich den jeweiligen geltenden Steuergesetzen angepasst.
Die geplante deutsche Ausgestaltung der REITs wird als G-REIT –
German Real Estate Investment Trust – bezeichnet.
Was Anleger von REITs haben
Eine REIT-Aktiengesellschaft ist von bestimmten Steuern befreit. Unternehmen, die ihren Immobilienbesitz an REITs veräußern, genießen deshalb Steuervergünstigungen und können unter diesen Bedingungen ihre Liquidität erhöhen. Doch wo liegen die Vorteile für Anleger?
- Transparante, leicht handelbare
Immobilienanlage
Investitionen in REITs verbinden die Vorteile der Aktienanlage – der Anteilsschein ist leicht wieder an der Börse zu verkaufen – mit der Stabilität eines Immobilieninvestments. Die Erträge bei REITs stammen aus langfristig vereinbarten Mieteinnahmen oder Zinszahlungen. Lässt man die persönliche steuerliche Situation des Anlegers außer Acht, ist die Investition in Bezug auf ihr Auszahlungsprofil vergleichbar mit Direktinvestments in eine Immobilie. Insofern dienen REITs zur Portfoliodiversifizierung. - Hohe Dividendenausschüttung
Die bezahlte Dividende fällt im Vergleich zu herkömmlichen Aktien hoch aus, denn durch die steuerlichen Vergünstigungen fließen dem Unternehmen höhere Erträge zu. Außerdem ist für REITs eine Mindestausschüttung vorgeschrieben.
Abgrenzung zu Immobilienaktien und -fonds
Der wesentliche Unterschied zu börsennotierten
Immobiliengesellschaften liegt in der Mindestausschüttung, die bei
den reinen Immobilienaktien nicht besteht. Auch der steuerliche
Aspekt bevorzugt REITs gegenüber Fonds und
Immobiliengesellschaften, die sowohl auf der Gesellschaftsebene als
auch der Anlegerebene besteuert werden.
Gegenüber offenen Immobilienfonds haben REITs den Vorteil, dass die
Gesellschaften bei massiven Abflüssen von Geld nicht ihre
Immobilien – womöglich unter Wert – verkaufen müssen. REITs werden
wie Aktien gehandelt, wenn Anleger ihre Anteile verkaufen, wirkt
sich dies nicht auf das Portfolio der Gesellschaft aus, sondern
lediglich auf den Aktienkurs.
Steuerlich werden REITs bis jetzt noch wie Aktien behandelt. Das
heißt, dass Investoren ihre Einkünfte aus REITs-Investments nur zur
Hälfte (nach Abzug der Freibeträge) versteuern müssen. Kursanstiege
in den Aktien bleiben sogar ganz steuerfrei, wenn die
Anteilsscheine über die Spekulationsfrist von einem Jahr hinaus
gehalten werden.
Doch die Regierung dreht bereits an der Steuerschraube: Das derzeit
gültige Halbeinkünfteverfahren für Dividenden und
Spekulationsgewinne wird voraussichtlich gestrichen. Außerdem fällt
auch die Kapitalertragssteuer an. Eines sollten Anleger auf alle
Fälle bedenken: Sie dürfen sich von einer vermeintlichen Sicherheit
des indirekten Immobilieninvestments nicht täuschen lassen. Wie bei
einer Aktie hängt die Wertentwicklung des REIT von vielen Faktoren
ab: dem Marktumfeld, der Qualität des Managements oder der
allgemeinen Börsensituation.
Blick auf die Performance
In den USA gibt es REITs seit 1960. Sie wurden unter anderem
eingeführt, um Kleinanlegern Zugang zu einem sicheren
Immobilieninvestment zu ermöglichen. Heute sind rund 200 REITs an
der New Yorker Börse notiert.
Die Rendite eines Immobilien-Investments muss nicht mager
ausfallen. Von 1971 bis 2003 lag die durchschnittliche jährliche
Rendite von Equity-REITs in den USA bei 13 Prozent. Der Dow Jones
Industrial legte im gleichen Zeitraum um etwa acht Prozent jährlich
zu.
Die Wertentwicklung von Immobilienunternehmen in Europa und den USA
lässt sich anhand verschiedener Indizes nachvollziehen. So
beschreibt der EPRA-Index, der von der European Public Real Estate
Association aufgestellt und an der Börse London berechnet wird, die
Performance der größten europäischen börsennotierten
Immobiliengesellschaften, die hohe Ausschüttungen aufweisen. Die
NAREIT – National Association of Real Estate Investment Trust – ist
das amerikanische Pendant zur EPRA.
Weltweit gibt es REITs in 19 Ländern, vier, in denen REITs-ähnliche
Strukturen bestehen. Die ältesten sind die USA (1960), Niederlande
(1969) und Australien (1985). Die meisten REITs-Strukturen wurden
in den Anfangsjahren des 21. Jahrhunderts.
