Auf die Kurs- und News-Turbulenzen reagieren die mittelfristig orientierten Anlegerinnen und Anleger mit neuen Short-Engagements und Aktienverkäufen. Ob das Potential für wieder steigende Preise bietet, weiß Joachim Goldberg.
3,3 Prozent haben deutsche Aktien im betrachteten Zeitraum eingebüßt. Diesmal wohl wegen der Umpositionierungen hiesiger Anlegerinnen und Anleger. 9 Pozent der Profis und 6 Prozent der Privaten sind short gegangen, 5 bzw. 7 Prozent haben Aktien verkauft. Die Sentiment-Indizes fallen jeweils um 14 Punkte auf -10 und +6 Punkten. Doch trotz der vollen Bärenlager mit 44 und 38 Prozent, sieht Joachim Goldberg keinen Pessimismus. Relativ betrachtet sei die Stimmung neural. Profis wie Private warteten ab, der Sentiment-Index biete keine Kontraindikation.
Unterm Strich etwartet der Verhaltensökonom weder eine zügige Erleichterung der Marktrisiken durch die Nachrichtenlage noch einen neuen Trend aus verhaltensorientierter Sicht.
2. April 2025. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Dass der DAX seit unserer vergangenen Stimmungserhebung zeitweise rund 4,6 Prozent an Wert verlor, dürfte nicht nur auf die von Donald Trump am vergangenen Mittwoch angekündigten Auto-Zölle in Höhe von 25 Prozent zurückzuführen sein. Vielmehr ist es der im Vorfeld vielfach diskutierte heutige „Liberation Day“, der „Tag der Befreiung“, an dem wahrscheinlich um 22:00 Uhr MESZ vom US-Präsidenten weitere umfassende Zollmaßnahmen verkündet werden, der die Gemüter bewegen wird. Und wie ein Kommentator zu Recht erklärte, wird es sich dabei nicht um ein einfach zu bewertendes Ereignis handeln, sondern um Maßnahmen, deren Folgen vielschichtig sein können. Auch der bei anderen ökonomischen Ereignissen gerne verwendete Maßstab der Börsianer „besser“ oder „schlechter als erwartet“ dürfte bei den heute zu verkündenden Zöllen kaum anwendbar sein. Denn die Erwartungen sind keineswegs eindeutig. Auch dürften mit dem heutigen „Liberation Day“ vermutlich auch nicht alle Marktrisiken mit einem Schlag vom Tisch sein – Änderungen, Relativierungen und Modifizierungen sind erfahrungsgemäß auch für die kommenden Wochen wahrscheinlich. So gesehen gibt es keine schnelle Befreiung der Akteure von den Marktrisiken.
Schotten dicht gemacht
Nun hat sich die Stimmung unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont angesichts der bevorstehenden Ereignisse verschlechtert. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche um 14 Punkte auf einen neuen Stand von -10 gefallen. Im gleichen Zuge hat sich das Bärenlager um 9 Prozentpunkte vergrößert, wobei sich dieser Zuwachs etwa zu gleichen Teilen aus vormals neutral eingestellten Akteuren und früheren Optimisten zusammensetzt. Letztere haben ihre Position direkt von „bullish“ auf „bearish“ gedreht.
Bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung genauso stark wie bei den institutionellen Pendants verändert. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index fällt in diesem Panel ebenfalls um 14 Punkte auf einen neuen Stand von +6. Unter dem Strich haben 7 Prozent der Anlegenden ihre Meinung direkt um 180 Grad von „bullish“ auf „bearish“ gedreht. Dabei geht ein Großteil dieser Positionsveränderungen auf das Konto derjenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragt haben: Der Optimismus dieser Untergruppe hat sich gegenüber der Vorwoche drastisch reduziert, aber auch die übrigen Anlegenden haben, wenn auch in geringerem Maße, gegenüber der Vorwoche eine pessimistischere Haltung eingenommen. Im gleichen Zuge hat sich die Stimmungskluft zwischen den beiden Untergruppen deutlich verringert.
Keine einhellige Meinung
Mit der heutigen Befragung ist die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren unverändert geblieben. Dabei bleibt festzuhalten, dass der Rückgang des DAX, der im Wochenvergleich in der Punktbetrachtung ein Minus von 3,3 Prozent aufweist, vermutlich überwiegend hausgemacht ist, zumal die in den Vorwochen immer wieder aufgetauchte Nachfrage langfristig orientierter Investoren zumindest während des Berichtszeitraums abgeebbt zu sein scheint.
Allerdings wird auch deutlich, dass sich bei den institutionellen Investoren die jüngste Stimmungsveränderung zum Negativen in Grenzen hält. Dies wird auch in der relativen Betrachtung auf drei und sechs Monate deutlich; die Pessimismus-Werte sind im Vergleich zu den absoluten Zahlen sogar etwas niedriger. Ähnliches gilt für die Privatanleger, deren Optimismus in der relativen Sicht zurückgegangen ist, so dass eher von einer neutralen Einstellung der Anlegenden gesprochen werden sollte.
Unter dem Strich kann man also festhalten, dass die heimischen Investoren mit einer neutralen Einstellung den zu erwartenden US-Zoll-Maßnahmen entgegensehen, wobei sich die Sentiment-technische Lage des DAX gegenüber der Vorwoche minimal verbessert hat. Isoliert betrachtet lassen die derzeitigen Positionierungen allerdings nicht auf einen neuen Trend schließen.
von Joachim Goldberg
02. April 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
Bitte aktivieren Sie für die Anzeige von Youtube-Videos benötigte funktionale Cookies. Darunter fallen auch Cookies, mit denen Sie eingeloggt bleiben und das Chattool Userlike. Sie können die Zustimmung jederzeit in den Cookie-Einstellungen widerrufen.
► Funktionale Cookies aktivieren
Bullish | Bearish | Neutral | |
Total | 34% | 44% | 22% |
ggü. letzter Erhebung | -5% | +9% | -4% |
DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 22.300 Punkte (-700 Punkte zur letzten Erhebung)
Börse Frankfurt Sentiment-Index institutionell Anlegende: -10 Punkte (-14 Punkte zur letzten Erhebung)
Bullish | Bearish | Neutral | |
Total | 44% | 38% | 18% |
ggü. letzter Erhebung | -7% | +7% | +0% |
DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 22.300 Punkte (-700 Punkte zur letzten Erhebung)
Börse Frankfurt Sentiment-Index privat Anlegende: +6 Punkte (-14 Punkte zur letzten Erhebung)
Der Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.
Uhrzeit | Titel |
---|