Fondsmanager Roger Peeters befürchtet, dass die Effekte des geplanten Konjunkturprogramms schwächer und verzögert bei den deutschen Unternehmen greifen, sieht aber auch noch deutlich Kurspotential für die Nebenwerte.
31. März 2025. FRANKFURT (pfp Adisory). Deutschland am Ende des März 2025 ist weiter eine Nation auf Richtungssuche, auch am Aktienmarkt. Nachdem der epochale Schuldenbeschluss, den die wahrscheinlich kommende schwarz-rote Koalition gemeinsam und für einen ordentlichen Preis mit den Grünen regelrecht „durchgeboxt“ hat, für einen kurzen Moment der Aufbruchsstimmung gesorgt hat, wirkt das Land zumindest auf mich ähnlich abwartend und ratlos wie in den Wochen zuvor. Dazu einige Wahrnehmungen:
Sie lesen raus, es ist auch nach meiner Sicht noch einiges im Argen. Nur mit einem Berg an neuen Schulden werden Firmen sicher nicht mehr in Deutschland investieren, und wenn es nach mehreren Jahren mit extrem hohen Nettodesinvestitionen und massiver Deindustrialisierung großen Teilen der Politik und auch der Öffentlichkeit (Aufschreie hierzu haben doch eher Seltenheitswert) einfach mal egal zu sein scheint, ist die Lage vielleicht auch einfach nur noch nicht schlimm genug, was bei mittlerweile unbereinigt 6,4% Arbeitslosenquote auch wieder verwundert.
Gab es an den Märkten also nur ein Strohfeuer, das bereits in naher Zukunft wieder „gelöscht“ wird? Natürlich ist auch das möglich, ich persönlich bin da indes durchaus entspannt. Ich glaube nämlich tatsächlich nicht, dass bereits ein solider Aufschwung eingepreist wurde mit den Gewinnen in den ersten zehn Wochen des jungen Jahres. Bislang sehen wir erst einmal den Beginn der Ausbügelung einer vollkommenen Unwucht, die sich über Jahre aufgebaut hat.
Damit meine ich insbesondere die zweite und dritte Reihe der börsennotierten deutschen Firmen. Nachdem sich große Teile der Anlegerschaft gerade aus dem Ausland über Jahre komplett aus diesem Segment verabschiedet hatten und es keine Seltenheit war, dass ein Mittelständler beispielsweise gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis oder der Dividendenrendite mit etwa einem Drittel dessen bewertet wurde wie ein vergleichbares Unternehmen aus den USA, sorgte nach meiner Wahrnehmung bereits die Rückkehr weiterer Investorengruppen für diesen gerade in Abgrenzung zum schwächelnden US-Markt ordentlichen Anstieg.
Für die nächste Stufe indes ist ein weiterer Treiber gefordert. Der naheliegendste ist tatsächlich die Politik. Somit bleibt für die Märkte genau wie für die Nation insgesamt zu hoffen, dass nun ein Ruck durch die Verhandlergruppe geht und echte Reformen und Investitionen beschlossen werden.
Von Roger Peeters, 31. März 2025, © pfp Advisory
Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds, sowie den im August 2021 gestarteten pfp Advisory Aktien Mittelstand Premium (WKN A3CM1J). Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V. Roger Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.
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